Warum Dein sexuelles Verlangen verschwunden ist und das nichts mit mangelnder Liebe zu tun haben muss
- Sascha Zordan
- 13. Juli
- 4 Min. Lesezeit

Warum viele Frauen irgendwann glauben, mit ihnen stimme etwas nicht, obwohl ihr Körper nur zeigt, dass er längst an seiner Grenze angekommen ist.
Es ist kurz vor zehn.
Endlich ist der Tag vorbei.
Die Brotdosen für morgen stehen bereit. Die Spülmaschine läuft. Die Kinder schlafen. Zum ersten Mal seit dem Aufstehen musst Du nichts mehr organisieren.
Du setzt Dich aufs Sofa und atmest tief durch.
Dieser Moment gehört eigentlich Dir.
Dann kommt Dein Partner ins Wohnzimmer.
Er lächelt, setzt sich neben Dich uns legt seine Hand auf Dein Bein.
Und noch bevor etwas passiert, spürst Du dieses leise Ziehen in Deinem Bauch.
Weder Kribbeln noch Verlangen, eher der Wunsch, dass der Abend einfach ruhig bleibt.
Im selben Augenblick meldet sich das schlechte Gewissen.
„Was ist bloß mit mir los?“
Du liebst diesen Menschen.
Du bist gern mit ihm zusammen.
Trotzdem fühlt sich Nähe manchmal wie eine weitere Aufgabe auf Deiner ohnehin schon endlosen Liste an.
Genau darüber sprechen erstaunlich wenige Frauen.
Viele schämen sich dafür.
Andere glauben, sie seien einfach nicht mehr so wie früher.
Und manche haben sich längst damit abgefunden.
Irgendwann verschwindet nicht nur die Lust
Am Anfang fällt es kaum auf.
Der Alltag wird voller, neue Termine kommen dazu.
Die Kinder brauchen mehr Aufmerksamkeit.
Im Beruf wird es stressiger.
Zu Hause wartet die nächste Aufgabe.
Du schaffst das alles, wie immer.
Du organisierst und kümmerst Dich.
Du denkst an Geburtstage, Elternabende, Arzttermine und den Einkauf.
Du weißt, welche Jacke gewaschen werden muss und wann das Lieblingskuscheltier wieder mit in den Kindergarten soll.
Von außen wirkt alles ganz normal.
Nur Du selbst merkst irgendwann, dass etwas fehlt.
Erst verschwindet die Leichtigkeit, dann die Spontaneität.
Irgendwann auch das Gefühl, einfach mal Frau sein zu dürfen.
Niemand kann den ganzen Tag funktionieren und am Abend plötzlich abschalten
Unser Körper arbeitet nicht gegen uns.
Er versucht jeden Tag, mit der Energie auszukommen, die ihm zur Verfügung steht.
Wenn Dein Kopf seit Stunden organisiert, plant und Probleme löst, bleibt kaum Raum für etwas anderes.
Viele Frauen erwarten von sich, am Abend einfach umzuschalten, als gäbe es irgendwo einen Knopf.
Den gibt es aber nicht.
Ein Körper, der den ganzen Tag unter Spannung steht, braucht zuerst Ruhe, weil Anspannung und Hingabe selten gleichzeitig entstehen.
Ich glaube, viele Frauen stellen sich die falsche Frage
Sie fragen:
„Warum habe ich keine Lust mehr?“
Vielleicht wäre eine andere Frage hilfreicher.
„Wann habe ich mich eigentlich selbst das letzte Mal wichtig genommen?“
Darauf folgt oft erst einmal Stille.
Denn viele merken in diesem Moment, dass sie sich an den letzten freien Nachmittag kaum erinnern können.
Oder daran, wann sie zuletzt etwas getan haben, nur weil es ihnen selbst Freude gemacht hat.
Weder für die Kinder, den Partner oder den Beruf. Einfach für sich.
Der Wunsch nach Nähe verschwindet selten
Er verändert sich.
Viele Frauen sehnen sich nicht zuerst nach leidenschaftlichem Sex. Sie wünschen sich einen Moment, in dem sie einfach nur in den Arm genommen werden, ohne dass daraus eine Erwartung entsteht. Sie möchten jemanden an ihrer Seite, der ehrlich fragt, wie es ihnen geht, und sich die Zeit nimmt, die Antwort wirklich zu hören.
Oft fehlt nicht die Liebe zum Partner. Was fehlt, ist das Gefühl, selbst wieder wahrgenommen zu werden – als Frau, als Mensch und nicht nur als diejenige, die jeden Tag alles zusammenhält. Alleinerziehende Mütter kennen dieses Gefühl besonders gut
Schon morgens beginnt der Tag mit Verantwortung.
Jemand braucht Frühstück, sucht seine Schuhe oder hat schlechte Laune.
Danach wartet die Arbeit, der Haushalt, die Einkäufe, die Hausaufgaben.
Am Abend ist endlich Ruhe.
Und genau dann spüren viele Frauen vor allem eines.
Wie müde sie eigentlich sind.
Diese Müdigkeit hat nichts mit fehlender Weiblichkeit zu tun.
Sie ist oft das Ergebnis eines Lebens, in dem seit Monaten oder sogar Jahren alle anderen zuerst kommen.
Der Körper spricht manchmal deutlicher als wir selbst
Er zeigt sich durch Erschöpfung, innere Unruhe und Schlafprobleme.
Oder eben dadurch, dass sexuelles Verlangen immer seltener auftaucht.
Viele versuchen dann, dieses Gefühl zu bekämpfen.
Ich glaube, es lohnt sich mehr, ihm zuzuhören.
Denn unser Körper nimmt sich manchmal genau die Aufmerksamkeit, die wir ihm viel zu lange nicht gegeben haben.
Stell Dir einen Garten vor
Wochenlang gießt Du jede Pflanze.
Nur eine Ecke lässt Du aus.
Du hattest einfach keine Zeit mehr.
Am Anfang fällt das kaum auf, doch irgendwann werden die Blätter mattie Farben verschwinden.
Niemand würde dieser Pflanze vorwerfen, dass sie nicht mehr blüht.
Jeder würde zuerst nach Wasser schauen.
Warum sind wir mit uns selbst oft so viel strenger?
Vielleicht geht es gar nicht um fehlende Lust
Viele Frauen glauben, ihr sexuelles Verlangen sei verschwunden. Dabei passiert oft etwas ganz anderes. Sie funktionieren seit Monaten oder sogar Jahren nur noch. Sie organisieren den Alltag, tragen Verantwortung, kümmern sich um andere und halten alles zusammen. Irgendwann bleibt von dieser Energie kaum noch etwas für sie selbst übrig.
Genau dort beginnt das eigentliche Problem. Es entsteht nicht erst im Schlafzimmer, sondern viel früher – an den Tagen, an denen die eigenen Bedürfnisse immer wieder hinter denen aller anderen zurückstehen.
Zum Schluss
Vielleicht hast Du lange geglaubt, Dein sexuelles Verlangen sei einfach verschwunden. Ich glaube, viele Frauen verlieren vorher etwas anderes: die Verbindung zu sich selbst. Zu der Frau, die lachen, genießen und sich lebendig fühlen möchte und die im Alltag zwischen Verantwortung, Verpflichtungen und Fürsorge für andere immer mehr in den Hintergrund gerät.
Veränderung beginnt deshalb oft nicht im Schlafzimmer. Sie beginnt in dem Moment, in dem Du Dir dieselbe Aufmerksamkeit schenkst, die Du jeden Tag so selbstverständlich anderen gibst.
Frag Dich einmal ganz ehrlich:
„Wann habe ich mich zuletzt so um mich gekümmert, wie ich mich jeden Tag um alle anderen kümmere?“
Vielleicht findest Du genau dort die Antwort, nach der Du schon so lange suchst. PS.: Der Beitrag spricht hier gezielt Frauen an. Das heißt natürlich nicht, dass Männer nicht das gleiche erleben können.



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