Was Dein Unterbewusstsein wirklich für Dich tut
- Sascha Zordan
- 10. Juli
- 4 Min. Lesezeit

Warum Du oft genau weißt, was Dir guttut – und trotzdem immer wieder anders handelst.
Es passiert schneller, als Du denken kannst.
Jemand schaut Dich plötzlich etwas ernster an.
Noch bevor ein Wort gefallen ist, spürst Du diesen Druck im Bauch.
Oder Dein Handy bleibt stumm.
Eigentlich weißt Du, dass Menschen beschäftigt sind. Trotzdem schaust Du alle paar Minuten auf das Display und fragst Dich, ob etwas nicht stimmt.
Vielleicht nimmst Du Dir vor, heute endlich Nein zu sagen.
Dann steht jemand vor Dir und bittet Dich um einen Gefallen.
Keine zehn Sekunden später hörst Du Dich sagen:
„Ja, natürlich.“
Auf dem Heimweg ärgerst Du Dich.
Nicht über den anderen, über Dich selbst.
Du hattest Dir doch vorgenommen, es diesmal anders zu machen.
Warum passiert das immer wieder?
Die meisten Menschen glauben, ihnen fehle Disziplin.
Ich glaube, dass sie gegen den falschen Gegner kämpfen.
Du triffst jeden Tag tausende Entscheidungen
Die meisten davon bemerkst Du nicht einmal.
Du bindest Deine Schuhe.
Du greifst automatisch zur Zahnbürste.
Du schließt die Haustür ab.
Du fährst zur Arbeit.
Irgendwann parkst Du das Auto und fragst Dich:
„Moment ... wie bin ich eigentlich hierhergekommen?“
Natürlich warst Du die ganze Zeit aufmerksam.
Du hast gebremst, auf den Verkehr geachtet, bist abgebogen.
Und trotzdem lief vieles ganz automatisch.
Zum Glück.
Stell Dir vor, Du müsstest jeden einzelnen Handgriff bewusst planen.
Du wärst schon vor dem Frühstück erschöpft.
Genau deshalb übernimmt Dein Unterbewusstsein unzählige Aufgaben.
Damit Du mehr Energie für die Dinge behältst, die wirklich wichtig sind.
Es arbeitet leise
Das ist wahrscheinlich der Grund, warum viele Menschen es kaum wahrnehmen.
Du hörst keine Stimme, du merkst nur das Ergebnis.
Du ziehst die Hand von einer heißen Herdplatte zurück, noch bevor Du bewusst darüber nachgedacht hast.
Du weichst einem Fahrrad aus.
Du lächelst automatisch zurück, wenn Dich jemand freundlich ansieht.
Ein großer Teil Deines Lebens läuft "nicht bewusst" auf diese Weise.
Das Problem beginnt dort, wo alte Erfahrungen heute noch mitreden
Stell Dir ein Kind vor.
Es zeigt voller Stolz eine Zeichnung.
Es freut sich auf die Reaktion.
Der Erwachsene schaut kurz hin und sagt:
„Schön ... aber der Himmel ist doch gar nicht lila.“
Für den Erwachsenen ist das nur eine Bemerkung, für das Kind vielleicht nicht.
Es lernt etwas.
Aber nicht über Farben, sondern über sich.
"Ich muss es besser machen."
Wenn ähnliche Situationen immer wieder passieren, entsteht irgendwann ein Muster.
Viele Jahre später sitzt derselbe Mensch vor einer E-Mail.
Er liest sie fünfmal, dann noch einmal, weil tief im Inneren noch immer jemand flüstert:
„Pass auf. Mach bloß keinen Fehler.“
Dein Unterbewusstsein fragt nicht, was heute sinnvoll ist
Es fragt etwas anderes:
„Was hat uns früher sicher gemacht?“
Das ist ein großer Unterschied.
Wenn Du als Kind gelernt hast, Streit möglichst zu vermeiden, wird Dein Inneres später oft versuchen, Konflikten aus dem Weg zu gehen.
Wenn Du erlebt hast, dass Anerkennung nur für gute Leistungen kam, entsteht leicht der Gedanke:
"Ich muss mehr leisten."
Wenn Nähe unsicher war, fällt Vertrauen später oft schwer.
Weil Dein Unterbewusstsein versucht, Dich mit den Erfahrungen zu schützen, die es kennt.
Deshalb reichen gute Vorsätze oft nicht aus
Vielleicht hast Du Dir schon vorgenommen:
„Ich werde gelassener.“
„Ich sage öfter Nein.“
„Ich höre auf, ständig zu grübeln.“ Ein paar Tage funktioniert das.
Dann reicht ein einziger Moment.
Jemand kritisiert Dich, meldet sich nicht zurück oder schaut Dich enttäuscht an.
Plötzlich reagierst Du wieder wie früher.
Der Vorsatz ist verschwunden, alte Muster übernehmen wieder das Steuer – Dein Unterbewusstsein reagiert schneller, als Dein Verstand eingreifen kann.
Stell Dir eine alte Abkürzung im Wald vor
Jahrelang sind Menschen denselben Weg gegangen.
Mit jedem Schritt wird der Trampelpfad deutlicher.
Irgendwann läuft jeder automatisch dort entlang, einfach weil dieser Weg vertraut geworden ist.
Mit unseren Gedanken und Verhaltensweisen passiert genau das.
Je häufiger Du Dich anpasst, desto leichter fällt es Dir, Dich wieder anzupassen.
Je häufiger Du an Dir zweifelst, desto schneller tauchen Selbstzweifel auf.
Je häufiger Du Dich selbst zurückstellst, desto selbstverständlicher wird es.
Das bedeutet nicht, dass Du für immer so bleiben musst.
Es bedeutet nur, dass neue Wege Zeit brauchen.
Dein Unterbewusstsein ist nicht gegen Dich
Das sollte für dich die wichtigste Erkenntnis dieses ganzen Beitrags sein.
Viele Menschen führen täglich einen Kampf gegen sich selbst.
Sie ärgern sich über ihre Angst, ihr Grübeln, ihre Unsicherheit oder ihre alten Muster.
Dabei hat keiner dieser Anteile jemals beschlossen, Dir das Leben schwer zu machen.
Sie wollten Dich schützen.
Sie haben Lösungen entwickelt, die früher sinnvoll waren.
Heute passen sie vielleicht nicht mehr.
Ihre Absicht war trotzdem gut.
Allein dieser Gedanke verändert den Blick auf Dich selbst.
Aus Selbstkritik wird Verständnis.
Und aus Verständnis entsteht oft zum ersten Mal echte Veränderung.
Veränderung beginnt nicht mit einem neuen Menschen
Sie beginnt mit einer neuen Erfahrung.
Du sagst freundlich Nein und die Welt geht nicht unter. Du äußerst Deine Meinung, ohne dass Dich jemand deshalb ablehnt. Du machst einen Fehler und merkst, dass Dein Wert dadurch keinen Schaden nimmt. Genau solche Erlebnisse zeigen Deinem Unterbewusstsein, dass es heute mehr Möglichkeiten gibt als früher.
Stell Dir vor, Dein Unterbewusstsein wäre ein guter Freund
Ein Freund, der Dich seit Deiner Kindheit begleitet.
Er hat alles gesehen.
Jede Enttäuschung, jeden Erfolg, eden Moment, in dem Du verletzt wurdest.
Er möchte nur eines, dass Dir das nicht noch einmal passiert.
Manchmal übertreibt er dabei.
Manchmal warnt er Dich, obwohl längst keine Gefahr mehr besteht.
Aber seine Absicht bleibt dieselbe.
Er möchte Dich schützen.
Vielleicht musst Du deshalb gar nicht gegen ihn kämpfen.
Du darfst ihm einfach zeigen, dass Dein Leben heute anders aussieht als damals.
Zum Schluss
Vielleicht hast Du lange geglaubt, Dein Unterbewusstsein sei etwas Geheimnisvolles.
Etwas, das gegen Dich arbeitet und Dich immer wieder sabotiert.
Ich glaube eher, es ist der treueste Begleiter, den Du hast.
Es erinnert sich an alles, was Dir einmal geholfen hat.
Manchmal erinnert es sich nur ein bisschen zu lange.
Die gute Nachricht ist:
Dein Unterbewusstsein kann dazulernen.
Mit jeder neuen Erfahrung, jedem kleinen Schritt.
Mit jedem Moment, in dem Du nicht automatisch dem alten Muster folgst.
Du musst nicht zu einem anderen Menschen werden.
Es reicht, wenn Dein Inneres nach und nach erkennt, dass Du heute nicht mehr dort bist, wo alles einmal begonnen hat.
Und genau dort entsteht Veränderung.
Leise, fast unbemerkt.
Aber oft viel nachhaltiger, als wir es uns vorstellen können.



Kommentare