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Warum Du Dich trotz Familie oder Beziehung oft einsam fühlst

Warum man sich selbst neben dem Menschen, den man liebt, manchmal so allein fühlen kann.

Es ist kurz nach Mitternacht.

Neben Dir schläft der Mensch, mit dem Du vielleicht seit vielen Jahren Dein Leben teilst.

Du hörst seinen ruhigen Atem.

Ihr liegt keine zwanzig Zentimeter auseinander.

Und trotzdem fühlt es sich an, als würden Welten zwischen Euch liegen.

Du drehst Dich zur Seite und versuchst, dieses Gefühl loszuwerden, das Dich schon seit Wochen begleitet.

Diese leise Einsamkeit.

Sie ist schwer zu beschreiben.

Ihr streitet Euch kaum, funktioniert als Familie und organisiert den Alltag.

Nach außen wirkt alles völlig normal.

Genau deshalb fragst Du Dich irgendwann:

„Warum fühle ich mich so allein, obwohl ich doch gar nicht allein bin?“

Mit dieser Frage bist Du nicht allein.

Mehr Menschen, als wir glauben, tragen sie jeden Tag mit sich herum.

Einsamkeit hat viele Gesichter

Wenn wir an Einsamkeit denken, sehen wir oft einen Menschen vor uns, der allein in einer Wohnung sitzt. Kein Besuch, kein Telefon, niemand der sich meldet.

Die schwierigere Form sieht ganz anders aus.

Sie sitzt mit am Frühstückstisch, fährt mit in den Familienurlaub und lacht auf Geburtstagsfeiern.

Und sie legt sich abends neben den Menschen ins Bett, den sie liebt.

Gerade deshalb bleibt sie oft so lange unbemerkt.

Von außen passt alles, nur im Inneren fühlt sich etwas nicht mehr richtig an.

Irgendwann redet man nur noch über das Leben

Am Anfang einer Beziehung konntet Ihr stundenlang miteinander sprechen.

Über Träume, verrückte Ideen, Dinge, die Euch Angst gemacht haben.

Ihr wolltet wissen, was den anderen bewegt.

Heute wisst Ihr, wann der nächste Elternabend ist, wer morgen einkaufen fährt und ob noch Milch im Kühlschrank steht.

Natürlich gehören solche Gespräche zum Leben.

Doch irgendwann fällt auf, dass Ihr zwar ständig miteinander redet, Euch aber immer seltener wirklich begegnet.

Es geht um den Alltag, aber kaum noch um Euch.

Das passiert nicht an einem einzigen Tag

Niemand wacht morgens auf und denkt:

„Ab heute fühle ich mich einsam.“

Es beginnt viel leiser.

Gespräche werden auf später verschoben, Gedanken bleiben unausgesprochen.

Ein Abend endet wieder vor dem Fernseher, obwohl Ihr Euch eigentlich etwas erzählen wolltet.

Am nächsten Tag ist wieder viel zu tun. Und am Tag danach auch.

Wochen werden zu Monaten.

Man gewöhnt sich daran.

Bis irgendwann etwas fehlt, ohne dass man genau sagen kann, seit wann eigentlich.

Viele Menschen schweigen viel früher, als sie glauben

Am Anfang erzählt man noch, wenn einen etwas beschäftigt.

Man spricht über Sorgen, Enttäuschungen und das, was gerade schwerfällt.

Fühlt man sich dabei mehrmals nicht wirklich verstanden, verändert sich etwas.

Es ist ein schleichender Prozess.

Man erzählt etwas weniger, lässt Kleinigkeiten weg und behält Gedanken lieber für sich.

Irgendwann antwortet man auf die Frage „Wie war Dein Tag?“ nur noch mit:

„Ganz normal.“

Obwohl innerlich längst viel mehr los ist.

Vielleicht vermisst Du gar nicht Deinen Partner

Vielleicht vermisst Du die Verbindung, die Ihr einmal hattet.

Den Blick, mit dem Ihr Euch verstanden habt.

Die Gespräche, bei denen plötzlich zwei Stunden vergangen waren.

Das Gefühl, dass jemand wirklich wissen wollte, wie es Dir geht.

Liebe verschwindet selten über Nacht.

Nähe manchmal schon viel früher.

Sie wird einfach jeden Tag ein kleines bisschen leiser.

Und irgendwann vermisst Du Dich selbst

Das ist der Moment, über den kaum jemand spricht.

Du weißt genau, was alle anderen brauchen.

Die Kinder, dein Partner, die Kollegen.

Und Du kümmerst Dich, organisierst, hältst alles zusammen.

Doch wenn Dich jemand fragen würde, was Du gerade brauchst, müsstest Du wahrscheinlich erst überlegen.

Nicht, weil Dir nichts fehlt, sondern weil Du Dir diese Frage schon lange nicht mehr gestellt hast.

Manchmal fühlt sich genau das wie Einsamkeit an.

Der Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen ist mit der Zeit genauso leise geworden wie viele Gespräche in der Beziehung.

Nähe entsteht nicht von selbst

Stell Dir ein Lagerfeuer vor.

Am Anfang reicht ein kleiner Funke, um die Flammen hochschlagen zu lassen und alle zu wärmen, die darum sitzen. Doch niemand würde erwarten, dass dieses Feuer den ganzen Abend brennt, wenn keiner neues Holz nachlegt.

Mit Beziehungen ist es ähnlich.

Nähe lebt von Aufmerksamkeit und ehrlichen Gesprächen.

Von Berührungen ohne Zeitdruck und dem Gefühl, dass zwei Menschen sich nicht nur begegnen, sondern einander wirklich wahrnehmen.

Fehlt all das über längere Zeit, entsteht Distanz.

Die Liebe ist nicht verschwunden, aber der Alltag hat langsam den Platz eingenommen, den früher die Beziehung hatte.

Der schwerste Satz lautet oft:

„Ich fühle mich einsam.“

Viele sprechen ihn nie aus.

Nicht aus Angst vor einem Streit, sie fürchten etwas anderes.

Dass der andere mit einem Schulterzucken reagiert, oder den Satz persönlich nimmt.

Also schweigen sie weiter.

Der Partner merkt davon häufig nichts, weil niemand erkennen kann, was nie ausgesprochen wird.

Vielleicht wartet der andere auf genau denselben Moment

Das vergessen wir erstaunlich oft.

Während Du hoffst, dass Dein Partner endlich fragt, wie es Dir wirklich geht, sitzt er vielleicht neben Dir und wünscht sich genau dasselbe.

Vielleicht glaubt auch er, dass zwischen Euch etwas verloren gegangen ist.

Vielleicht weiß er genauso wenig wie Du, wie Ihr wieder zueinanderfinden könnt.

Manchmal sitzen zwei einsame Menschen nebeneinander.

Jeder wartet darauf, dass der andere den ersten Schritt macht.

Zum Schluss

Falls Du Dich in diesem Beitrag wiedergefunden hast, möchte ich Dir einen Gedanken mitgeben.

Einsamkeit bedeutet nicht automatisch, dass Dir Menschen fehlen.

Manchmal fehlt nur die Verbindung zu dem Menschen, den Du liebst.

Und manchmal auch zu Dir selbst.

Das bedeutet nicht, dass Eure Beziehung gescheitert ist.

Es bedeutet nur, dass etwas Aufmerksamkeit braucht, bevor die Distanz immer größer wird.

Und noch etwas ist mir wichtig.

Dieser Beitrag richtet sich nicht speziell an Frauen, weil sie über solche Gefühle häufiger sprechen. Die gleiche Einsamkeit erleben auch viele Männer. Sie zeigen sie oft nur anders. Manche ziehen sich zurück, arbeiten noch mehr oder sprechen überhaupt nicht darüber. Das Gefühl dahinter kann trotzdem genau dasselbe sein.

Einsamkeit ist deshalb kein Frauen- oder Männerthema.

Sie ist menschlich.

Vielleicht beginnt Veränderung schon in dem Moment, in dem einer von beiden den Mut hat, einen Satz auszusprechen, den beide schon lange denken.

„Ich vermisse uns.“

Manchmal reichen genau diese drei Worte aus, damit zwei Menschen wieder anfangen, sich wirklich zuzuhören.

 
 
 

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